Die Wertachkliniken Bobingen und Schwabmünchen haben mit ihrem Bedarfsfeststellungsantrag beim Bayerischen Gesundheitsministerium einen entscheidenden Schritt für die zukünftige Krankenhausstruktur im Landkreis Augsburg eingeleitet. Dabei steht ausdrücklich nicht die kurzfristige Schließung eines der beiden Standorte zur Debatte. Vielmehr geht es darum, langfristig eine tragfähige medizinische Versorgung für die Region zu gewährleisten.
Bereits seit 2021 beschäftigt sich der Verwaltungsrat der Wertachkliniken intensiv mit einer Zukunftsstrategie, um den steigenden wirtschaftlichen Herausforderungen kleiner kommunaler Krankenhäuser sowie den sich wandelnden medizinischen Anforderungen gerecht zu werden. Schon 2024 prognostizierte die Bayerische Krankenhausgesellschaft, dass acht von zehn Krankenhäusern in Bayern rote Zahlen schreiben werden. Während andernorts Kliniken um ihr Überleben kämpfen, stehen die Wertachkliniken zwar wirtschaftlich stabil, doch ohne strategische Weichenstellungen droht auch hier mittelfristig eine finanzielle Schieflage.
„Krankenhäuser müssen keine Gewinne erwirtschaften, aber sie müssen wirtschaftlich arbeiten können, ohne die öffentlichen Haushalte zu überlasten“, betont Fabian Wamser, SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag Augsburg und Mitglied im Verwaltungsrat der Wertachkliniken. „Andernfalls fehlen dringend benötigte Mittel für andere kommunale Aufgaben wie Straßen, Schulen oder den Nahverkehr.“
Die zentrale Frage lautet: Wie kann eine nachhaltige Krankenhausstruktur im Landkreis Augsburg gesichert werden? Der Bedarfsfeststellungsantrag basiert auf der Perspektive, die beiden Standorte in Bobingen und Schwabmünchen langfristig in einem modernen, zentralen Krankenhaus zusammenzuführen. Dies soll Effizienzgewinne ermöglichen und die Qualität der Patientenversorgung verbessern. „Eine solche Entscheidung kann jedoch nicht allein auf kommunaler Ebene getroffen werden – der Freistaat Bayern ist hier in der Pflicht“, erklärt Wamser. Bereits vor der geplanten Krankenhausreform des Bundes hat der Verwaltungsrat der Wertachkliniken vorausschauend gehandelt und ein unabhängiges Gutachten der Oberender AG in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Angesichts der zunehmenden ambulanten Behandlungsmöglichkeiten, der wachsenden Spezialisierung in der Medizin und der hohen Kosten durch Doppelstrukturen ist eine Zusammenlegung der beiden Häuser an einem neuen Standort eine sinnvolle Lösung. „Unser oberstes Ziel ist die langfristige Sicherstellung einer hochwertigen, wohnortnahen medizinischen Versorgung. Wir nehmen damit eine Aufgabe wahr, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der Staatsregierung fällt“, so Wamser. „Während wir vor Ort tragfähige Lösungen entwickeln, bleibt die Unterstützung des Freistaats jedoch aus. Die Staatsregierung zieht sich bisher vollkommen aus der Verantwortung.“
Besonders kritisch sieht Wamser den im Herbst 2024 vorgestellten „7-Punkte-Plan“ der Staatsregierung. „Ein solcher Plan war längst überfällig, doch das, was präsentiert wurde, ist nicht mehr als ein hilfloser Versuch, von jahrelangem Versagen in der Krankenhausplanung abzulenken. Während wir vor Ort konkrete Maßnahmen umsetzen wollen, liefert die Staatsregierung lediglich Allgemeinplätze und vage Ankündigungen, die keine echte Lösung für unsere Region darstellen.“
Auch die Landtagsabgeordnete Anna Rasehorn, stellvertretendes Mitglied im Gesundheitsausschuss, übt scharfe Kritik an der bayerischen Staatsregierung: „Die Staatsregierung hat jahrelang die Augen vor den massiven Problemen in der Krankenhausversorgung verschlossen. Jetzt mit einem vagen 7-Punkte-Plan zu reagieren, reicht nicht aus. Wir brauchen endlich eine klare Strategie in der Krankenhausplanung und eine solide Finanzierung, damit gerade ländliche Regionen nicht abgehängt werden.“
Die SPD fordert eine nachhaltige Finanzierung und eine strukturierte Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung im Landkreis Augsburg. „Es reicht nicht aus, auf Bundesreformen zu warten – der Freistaat muss endlich aktiv werden und gemeinsam mit den kommunalen Trägern tragfähige Konzepte erarbeiten“, so Wamser. Besonders wichtig sei dabei eine engere Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung. „Nur durch eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern, dem Rettungsdienst und den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten können wir eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung sicherstellen.“